Am 27. Oktober 2008 wurde das neue Studienjahr 2008/09 an
der Theologischen Fakultät Trier mit einer Akademischen Feier eröffnet.
Nach der Begrüßung durch den Rektor der Theologischen
Fakultät, Prof. Dr. Reinhold Bohlen, wandte sich zunächst der Vorsitzende
des AStA, Michael Ternes, an die Anwesenden mit der grundsätzlichen Frage:
„Warum eigentlich Theologie studieren?“ Nun, die Theologie stelle, so Ternes,
das letzte der so genannten Universalstudien dar, das den Menschen in seiner
Existenz und Verwiesenheit ganzheitlich in den Blick nehme. Sie versetze
einen immer wieder neu existenziell in Unruhe und gebe den Blick frei „auf
die Geschichte der größten und abenteuerlichsten Suche des Menschen“.
„Theologe werden“, so fasste Ternes schließlich zusammen, „heißt also: Als
Wissenschaftler offen sein für jegliche Dimension, für das Wissen der Zeit,
für die Glaubensüberzeugungen so vieler Generationen, offen sein aber auch
für den, der nach unserem Glauben das Urwort der Theologie gesprochen hat.“
Im Anschluss an seine Ansprache gab sich der Vorsitzende
des AStA noch die Ehre und verlieh Herrn Prof. Dr. Josef Steinruck für seine
über 25-jährige Tätigkeit als Studiendekan im Namen der Studierendenschaft
den Ehrentitel „Pater discipulorum theologiae“. Das gemeinsam mit der
Urkunde überreichte „Wein-Modul“ könne, wie Ternes unterstrich, vom
Studiendekan nach Belieben „im Rahmen einer Modul- oder Modulteilprüfung,
alleine oder kollegial verköstigt werden“.
Im Namen der Theologischen Fakultät Trier begrüßte sodann
der Studiendekan die insgesamt 66 Studierenden im ersten Fachsemester der
nun mehr modularisierten theologischen Studiengänge „Bachelor of Education“
(Lehramt) und „Magister Theologiae“ (Vollstudium) sowie Theologie als
Nebenfach. Die Gesamtzahl der Studierenden an der Theologischen Fakultät
sei, wie Steinruck mitteilte, gegenüber dem Vorjahr von 431 auf fast 450
erneut gestiegen. Dabei habe sich die deutliche Mehrzahl der Frauen
entsprechend der Tendenz der letzten Jahre weiter ausgeprägt. Von den neuen
Studierenden verfolgten 54 das Theologiestudium im Rahmen des
Kooperationsvertrages mit der Universität Trier, zwölf seien an der
Theologischen Fakultät Trier eingeschriebenen. Letzteren überreichte der
Rektor feierlich ihr Studienbuch, Zeichen der Zugehörigkeit zur Fakultät.
Im Anschluss hielt der Dekan der Theologischen Fakultät
Trier, Prof. Dr. Michael Fiedrowicz, einen Vortrag zum Thema: „Theologe
werden – in der Schule des Origenes“. Um eine Sache zu verstehen, so der
Dekan, sei es manchmal hilfreich, ihr Entstehen zu betrachten, auf ihre
Anfänge zu blicken; so auch bei der Theologie. Was es bedeute, Theologie zu
studieren, ein Theologe zu werden, das lasse sich besonders gut an der
Person des Origenes, einem Theologen des ausgehenden zweiten und beginnenden
dritten Jahrhunderts, ablesen.
Für Origenes, der selbst eine eigene Studienstätte
errichtet habe, sei es wesentlich gewesen, dass Theologie nicht nur gelehrt,
sondern auch gelebt werde. Ein Theologe im recht verstandenen Sinne sei
jemand, der – mit Origenes gesprochen – „Deuter der Worte Gottes für die
Menschen“ sei, jemand der „die Botschaften Gottes versteht, als ob Gott mit
ihm redete, und sie den Menschen weitergibt, dass diese sie vernehmen“.
Zentrales Anliegen des Origenes, so Fiedrowicz weiter,
sei gewesen, die Liebe zum „Logos“, dem fleischgewordenen Wort Gottes, zu
entfachen. Von daher sei es auch nicht verwunderlich, dass Origenes sein
Studienprogramm ausgerechnet innerhalb des Kommentars zum Hohelied entworfen
habe. „Liebe will erkennen“, so brachte es der Dekan auf den Punkt. Die
Sorgfalt des Erkennens sei dabei eine innere Forderung der Liebe. Aus diesem
Grund habe Origenes auch die Urteils- und Kritikfähigkeit seiner Schüler am
Herzen gelegen. Wesentlich sei es daher für einen Theologen damals wie
heute, eine Vielzahl von verschiedenen Autoren und Auffassungen zu
studieren, wobei dem Studium der Quellen, vor allem der Heiligen Schrift,
eine besondere Bedeutung zukomme. Ein wirklicher Theologe mache, so Origenes,
„durch (Bibel-)Lektüre sein Herz zu einer Bibliothek des göttlichen Wortes“.
Origenes habe, wie Fiedrowicz abschließend betonte,
Theologie stets „vor dem Angesicht Gottes“ betrieben. Das Gebet sei, wie
Origenes sich ausdrücke, „am notwendigsten zur Erkenntnis der göttlichen
Dinge“. Daher müsse sich jeder Theologe fragen, ob man seinem Beten
eigentlich anmerken könne, dass er Theologie studiere, und ob umgekehrt sein
Leben mit Gott bis in die Theologie vordringe. Schließlich gehe es auch
darum, so der Dekan, Theologie stets aus dem Glauben der Kirche heraus zu
betreiben und sich, wie Origenes, in allem dem Urteil der Kirche zu
unterstellen. Beides gehöre dabei zusammen: Denken und Leben, Theorie und
Praxis. „Im Sinne der Kirche denken, im Sinne der Kirche leben, das sind für
Origenes die beiden wesentlichen Voraussetzungen, um die Wahrheit zu
erkennen und die Mysterien des Glaubens zu verstehen.“
Auf dem Höhepunkt der stimmungsvollen Feier, die durch
anregende Jazz-Klänge auf der Querflöte (Andrea Smith) und dem Piano
(Cornelius Sturm) musikalisch umrahmt wurde, überreichte der Rektor der
Theologischen Fakultät Trier den Absolventinnen und Absolventen des letzten
Sommersemesters feierlich ihre Diplomurkunden. Insgesamt 15 Studierende
haben im Studienjahr 2007/08 das Diplom in Theologie an der Fakultät
erworben; 13 Studierende haben erfolgreich die Erste Staatsprüfung im Fach
katholische Religionslehre abgelegt (10 für das Lehramt an Gymnasien, 3 für
das Lehramt an Realschulen). Im Namen der Absolventinnen und Absolventen
sprach Herr Marco Weber Dankesworte.
Bevor der Abend, an dem auch zahlreiche „Silberjubilare“
teilnahmen, die das Diplom an der Theologischen Fakultät Trier vor 25 Jahren
erworben hatten, bei einem Glas Wein seinen geselligen Abschluss fand,
ließen sich die Anwesenden nicht lange bitten und erfüllten, auf Einladung
der frisch diplomierten Theologen, die ehrwürdige Promotionsaula mit
gemeinsamen Gesang: „Gaudeamus igitur“ – „Nun lasst uns also froh sein“.
Raphael Edert